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Führung & Kultur

Low Performer in der Schicht: Wenn der Arbeitsplatz die Leistung bremst

Ein Low Performer ist ein Mitarbeiter, dessen Leistung über längere Zeit deutlich unter der vergleichbarer Kollegen liegt. In der Schicht hängt dieser Vergleich an Anlage, Planstand und Einarbeitung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Low Performer ist ein Mitarbeiter, dessen Arbeitsleistung über längere Zeit deutlich unter der Leistung vergleichbarer Kollegen liegt.
  • Das Bundesarbeitsgericht ließ 2003 eine langfristige Unterschreitung der Durchschnittsleistung um deutlich mehr als ein Drittel als Darlegung des Arbeitgebers genügen (2 AZR 667/02).
  • Bei Fehlern verlangt die Rechtsprechung den Vergleich mit der durchschnittlichen Fehlerhäufigkeit vergleichbarer Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum.
  • In der Halle hängt Leistung an Anlage, Planstand, Schicht und Einarbeitung. Ein Vergleich trägt erst unter gleichen Bedingungen.
  • Wer bei einer Nachbesetzung den Arbeitsplatz unverändert lässt, gibt dem Nachfolger dieselben Bedingungen mit.

Low Performer in der Schicht: Die Zahl nennt den Namen, selten den Platz

Ein Low Performer ist in der Halle schnell benannt. Dafür reicht eine Fehlerquote aus dem Prüffeld, eine Stückzahl unter dem Schnitt oder ein Satz in der Schichtübergabe. Ob die Zahl an der Person hängt oder an Anlage, Planstand, Schicht und Einarbeitung, steht in keiner dieser Zeilen.

Die These dieses Beitrags: Minderleistung an der Linie ist häufig zuerst ein Einsatzproblem und erst danach ein Leistungsproblem. Wer sie sofort als Kündigungsfall behandelt, stellt den Nachfolger an denselben Platz.

Drei Schaltschränke bis Freitag, eine Fehlerliste mit Oles Namen

Szenario. Namen und Betrieb sind erfunden.

Das Telefon im Meisterbüro klingelt, als Heiko gerade die Fehlerliste aus dem Prüffeld auf den Tisch legt. Miriam aus der Projektleitung ist dran. Der Kunde kommt am Freitag zur Werksabnahme, drei Schaltschränke für eine Verpackungslinie, und zwei davon stehen noch in der Verdrahtung. „Kannst du Ole rausnehmen und Sandra auf die Schränke setzen?“, fragt sie. Auf der Fehlerliste steht Oles Name in jeder zweiten Zeile.

Ole verdrahtet seit sieben Monaten im Betrieb. Er ist langsamer als Sandra, und das Prüffeld schickt seine Schränke öfter zurück. Am Monatsende läuft seine Probezeit aus, Personal will bis Freitag wissen, ob er bleibt. Nimmt Heiko ihn von den Schränken, hält er den Termin mit Sandras Überstunden, und die Entscheidung über Ole fällt mit dieser Liste in der Hand. Lässt er ihn dran, riskiert er die Abnahme vor dem Kunden. Er sagt Miriam, er rufe in zehn Minuten zurück.

Mit der Liste geht er an Oles Platz, ganz hinten an Montageplatz vier, wo seit dem Umbau im Frühjahr kein Bildschirm hängt. Die Fehler sitzen alle an derselben Stelle, an der Klemmleiste X2. Ole zieht die Schublade auf und legt den ausgedruckten Stromlaufplan auf den Schrank. Heiko blättert zur Fußzeile. Revision B. Sandra verdrahtet am Bildschirm nach Revision D, in der die X2 im Sommer neu belegt wurde.

Heiko ruft Miriam zurück. Sandra übernimmt den zweiten Schrank, Ole den dritten, diesmal an Platz zwei mit Bildschirm. Die Fehlerliste schickt er trotzdem an Personal, mit einem Foto der Fußzeile im Anhang. In jeder zweiten Zeile stand Oles Name. In der Schublade lag seit März ein Plan, den außer ihm niemand mehr benutzte.

Meister mit Fehlerliste und Verdrahter an einem halb verdrahteten Schaltschrank

Was ist ein Low Performer?

Ein Low Performer ist ein Mitarbeiter, dessen Arbeitsleistung über längere Zeit deutlich unter der Leistung vergleichbarer Kollegen liegt. Im Arbeitsrecht heißt das Minderleistung. Unterschieden werden quantitative Minderleistung, also eine zu geringe Menge, und qualitative Minderleistung, also überdurchschnittlich viele Fehler.

Das Bundesarbeitsgericht hat 2003 einen Fall entschieden, in dem ein Arbeitnehmer die Durchschnittsleistung seiner Abteilung langfristig um deutlich mehr als ein Drittel unterschritt (BAG, Urteil vom 11.12.2003, 2 AZR 667/02). Das genügte dem Gericht als Darlegung des Arbeitgebers. Danach liegt es beim Arbeitnehmer zu erklären, warum er mit dieser Leistung trotzdem seine persönliche Leistungsfähigkeit ausschöpft.

Bei Fehlern gilt derselbe Maßstab. Das Landesarbeitsgericht München verlangt im Anschluss an das BAG, die Durchschnittsleistung vergleichbarer Arbeitnehmer über einen längeren Zeitraum darzustellen (Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 764/10). Eine erhebliche Überschreitung der durchschnittlichen Fehlerhäufigkeit kann dann, je nach Zahl, Art, Schwere und Folgen der Fehler, ein Anhaltspunkt für eine vorwerfbare Pflichtverletzung sein.

Beide Urteile messen am Vergleich mit Kollegen in vergleichbarer Tätigkeit. In der Halle ist genau dieser Vergleich der schwierige Teil.

Wie erkennt man einen Low Performer in der Schicht?

Einen Low Performer in der Schicht erkennt man erst sicher, wenn er unter denselben Bedingungen arbeitet wie die Kollegen, mit denen er verglichen wird. Vier Fragen klären das, bevor über Können oder Wollen gesprochen wird:

  • Arbeitsplatz: Steht er an der ältesten Anlage, an einem Platz ohne Bildschirm oder an der Maschine, die nur mit Erfahrung sauber anläuft?
  • Unterlagen: Arbeitet er mit dem aktuellen Zeichnungs- oder Planstand oder mit einem Ausdruck aus der Schublade?
  • Schicht: Wird seine Nachtschicht mit einer Frühschicht verglichen, in der Meister, Instandhaltung und Arbeitsvorbereitung erreichbar sind?
  • Einarbeitung: Hat er die Anlage gezeigt bekommen oder nur den Platz?

Fallen die Zahlen auch unter gleichen Bedingungen deutlich ab, bleibt die Frage nach Können und Wollen. Sie gehört ins Gespräch, nachdem die Bedingungen geklärt sind. Wer sich innerlich verabschiedet hat, zeigt andere Signale, beschrieben im Beitrag zur inneren Kündigung in der Schicht. Wer noch liefert, aber an der Maschine weniger entscheidet, steht beim Quiet Cracking. Und der gute Facharbeiter, der als Meister schwächer ist, gehört zum Peter-Prinzip.

Was kostet ein Low Performer den Betrieb?

Ein Low Performer kostet den Betrieb an drei Stellen: in der Nacharbeit, in der Mehrarbeit der Kollegen und, wenn er geht, in der Nachbesetzung.

Die Nacharbeit landet im Prüffeld, in der Qualitätssicherung oder beim Kunden. Die Mehrarbeit trägt meist die schnellste Person der Schicht, oft mit Überstunden. Die Nachbesetzung kostet Suche, Einarbeitung und die Monate, in denen die Stelle offen ist. Was eine Einstellung kostet, bevor die erste Schicht läuft, steht im Beitrag zu den Einstellungskosten.

Am teuersten wird der dritte Posten, wenn der Arbeitsplatz derselbe bleibt. Dann erbt der Nachfolger Anlage, Planstand und Schicht, und nach seiner Probezeit liegt dieselbe Auswertung wieder auf dem Tisch.

Wie Berater in der Vorqualifikation nach dem letzten Arbeitsplatz fragen

In der telefonischen Vorqualifikation fragen Berater von PolyTALENT bei Kandidaten aus der Fertigung nach den Bedingungen am letzten Arbeitsplatz: Maschine, Schichtmodell, Einarbeitung und wer die Zeichnungs- und Planstände pflegt.

Kandidaten, die im alten Betrieb als langsam galten, beschreiben in diesen Gesprächen häufig zuerst den Arbeitsplatz und danach die eigene Leistung.

Bevor die Probezeit entschieden wird

  • Vergleichen Sie gleiche Bedingungen. Stellen Sie die Zahlen nur Kollegen gegenüber, die an derselben Anlage, mit demselben Planstand und in derselben Schicht arbeiten.
  • Prüfen Sie die Fehler auf ein Muster. Sitzen sie immer an derselben Stelle, liegt die Ursache häufig in Unterlagen, Werkzeug oder Arbeitsplatz.
  • Tauschen Sie einmal den Platz, bevor Sie die Person tauschen. Zwei Wochen an einer anderen Anlage zeigen, was an der Person hängt und was am Platz.
  • Schreiben Sie die Bedingungen in die Nachbesetzung. Muss die Stelle neu besetzt werden, gehören Anlage, Schicht und Einarbeitung ins Anforderungsprofil.

Wird die Stelle neu besetzt, sprechen Berater von PolyTALENT passende Fachkräfte in bestehenden Arbeitsverhältnissen telefonisch an und fragen nach genau diesen Bedingungen, unterstützt vom PolyTALENT Matching. Im Schaltschrankbau und in der Elektrotechnik läuft das über die Personalvermittlung, etwa für Elektroniker für Betriebstechnik, ebenso in der Produktion, vom Mittelstand in Lohne bis in größere Industriecluster.

Ein Low Performer ist manchmal ein Mensch mit wenig Leistung. Manchmal ist er der Einzige, der am schlechtesten ausgestatteten Platz der Halle steht.

Wer den Low Performer austauscht und den Platz behält, stellt im nächsten Jahr denselben Low Performer ein, mit anderem Namen.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Begriff Low Performer?+

Low Performer bezeichnet einen Mitarbeiter, dessen Arbeitsleistung über längere Zeit deutlich unter der vergleichbarer Kollegen liegt. Im Arbeitsrecht heißt das Minderleistung. Unterschieden werden quantitative Minderleistung, also eine zu geringe Menge, und qualitative Minderleistung, also überdurchschnittlich viele Fehler. Maßstab ist der Vergleich mit Kollegen in vergleichbarer Tätigkeit.

Wie kann man Low Performer erkennen?+

Low Performer erkennt man an einer Leistung, die über Monate deutlich unter der vergleichbarer Kollegen bleibt. In der Produktion gehört zum Vergleich, dass Anlage, Zeichnungs- oder Planstand, Schicht und Einarbeitung gleich sind. Sitzen die Fehler immer an derselben Stelle, liegt die Ursache häufig im Arbeitsplatz oder in den Unterlagen.

Ist zu langsames Arbeiten ein Kündigungsgrund?+

Zu langsames Arbeiten kann eine Kündigung tragen, wenn die Leistung lange und erheblich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Arbeitnehmer liegt. Im Fall des Bundesarbeitsgerichts von 2003 lag die Unterschreitung bei deutlich mehr als einem Drittel. Der Arbeitnehmer kann dann darlegen, dass er seine persönliche Leistungsfähigkeit trotzdem ausschöpft. Den Einzelfall prüft ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Wie gehe ich im Mitarbeitergespräch mit einem Low Performer um?+

Im Gespräch mit einem Low Performer stehen zuerst die Fakten: welche Leistung erwartet war, welche erreicht wurde und über welchen Zeitraum. Danach folgen die Bedingungen am Arbeitsplatz und die Sicht des Mitarbeiters. Ziele, Unterstützung und ein fester Folgetermin werden schriftlich festgehalten.

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